Demografischer Wandel

anders & länger

 

„Deutschland – Land ohne Leute“
Die Zeit 2001

„Auf dem Weg zur Greisenrepublik“
Der Spiegel 2004

„Deutschland 2014: Die Menschen gehen, die Wölfe kommen“
Süddeutsche Zeitung 2006

 

Viele Schlagzeilen zum demografischen Wandel klingen wie schlechte Sciene-Fiction-Filmtitel: “Deutschland, Land ohne Leute” (Die Zeit, 2001), “Die Greisenrepublik” (Spiegel 2004), “Die Menschen gehen, die Wölfe kommen” (Süddeutsche, 2006). Zwölf JONAlisten haben die Apokalypse hinterfragt und sich mit der Demografie-Debatte auseinandersetzt. Hier erzählen sie eher selten gehörte Geschichten. Zum Beispiel, dass unsere Lebenserwartung statistisch betrachtet täglich um sechs Stunden steigt. Und dass wir vermutlich länger leben werden als unsere Eltern und Großeltern. Und anders alt werden, als die Generationen vor uns. Vermutlich gesünder. Panik ist also ganz und gar nicht angebracht.

 

Der Begriff “demografischer Wandel” schürt offensichtlich Ängste. Zwölf junge Journalisten, gefördert von der Konrad-Adenauer-Stiftung, haben die gängigen Thesen der Demografiedebatte einmal in Frage gestellt. Ihre Hoffnung: die Apokalypse durch Recherche zu widerlegen.

Das Huckepack-Thema

Die alarmistischen Töne in der Debatte sind Reinhard Messerschmidt ein Ärgernis. „Wenn man immer und überall das gleiche liest, wird es irgendwann Common Sense.“ Der Kölner Philosoph hat fast 4.000 Zeitungsartikel zum demografischen Wandel ausgewertet. „Das Thema wird heute von Medien und Wissenschaft durch eine spezifische Brille betrachtet, und diese Brille ist zum Teil erheblich getrübt.“

Messerschmidt spielt auf ein Phänomen an, das Wissenschaftler „Demografisierung“ nennen. Komplexe Probleme, wie zum Beispiel der Fachkräftemangel, werden vereinfacht dargestellt, der demografische Wandel wird zum Schuldigen erklärt. Und es klingt ja auch logisch: Den Betrieben mangelt es an Nachwuchskräften, weil in Deutschland immer weniger junge Menschen leben, zu wenig Kinder geboren werden. Selten wird davon gesprochen, dass Firmen es versäumen, rechtzeitig junge Talente anzuwerben, dass zu viele gut ausgebildete Fachkräfte Deutschland verlassen, weil sie sich anderswo mehr erhoffen.

Für Reinhold Sackmann, Soziologe an der Universität Halle an der Saale, ist der demografische Wandel ein „Huckepackthema“, eines, das vielseitig einsetzbar ist, weil es scheinbar alles erkläre. „Es ist ja auch einfacher, die alternde Gesellschaft zu thematisieren, anstatt sich über die komplexeren Problemursachen Gedanken zu machen.“

Ende der 1990er-Jahre ließ sich das beobachten, als es um den Stadtumbau in Ostdeutschland ging. In vielen Städten standen Wohnungen leer, die gerade erst geschaffen worden waren. Menschen fehlten. „Schuld daran war für viele der demografische Wandel“, sagt Sackmann. Das lenkte von der verfehlten Förderpolitik ab, mit deren Hilfe zu viel Wohnraum renoviert oder neu gebaut worden war.

Gefährlich wird es, wenn die Debatte um den demografischen Wandel Angst schürt und die sich in der Mitte der Gesellschaft ausbreitet. Der Historiker Thomas Bryant sieht die jüngere Entwicklung mit Sorge: „Die Angst, das deutsche Volk könnte von der Landkarte verschwinden, ist wieder weit verbreitet.“ Im Interview erklärt Bryant, wie sich die Debatte um die Bevölkerungsentwicklung entwickelt und wer sie mitbestimmt hat.

German Angst: So hat sich die Demografie-Debatte entwickelt
Im Interview: Thomas Bryant, Historiker

„Volk ohne Jugend“

Der Nationalsozialismus

„Das deutsche Volk stirbt aus“

Die 1980er-Jahre

Neu: Demografischer Wandel

Die 1990er-Jahre

Die Angst vor Methusalem

Die 2000er-Jahre

„Deutschland schafft sich ab“

Die Sarrazin-These

Alte Probleme, neue Lösungen

Ein Blick nach vorn

Fitte Alte

Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter. Aber wird sie deshalb auch immer pflegebedürftiger? Das Horrorszenario von der "Greisenrepublik" mit überfüllten Pflegeheimen und dahin siechenden Alten wird keine Wirklichkeit werden, wie ein Blick in die neuere Forschung zeigt

Wenn morgens um sieben der iPad-Wecker läutet, antwortet Christian Meier (85) mit einem lässigen Seitenwisch. Zuerst checkt er seine E-Mails, dann bucht er online seinen nächsten Urlaub. Zum Frühstück skypt er mit den Enkeln und gibt dem Jüngsten Nachhilfe im Rechnen. Auf dem Weg ins Fitnessstudio grüßt Meier den 90-jährigen Marathonläufer von nebenan und radelt an walkenden Grauhaarigen vorbei.

Zugegeben: Diese Szene ist nicht real, könnte es aber werden. Zumindest besagen das immer mehr wissenschaftliche Studien. Die Deutschen werden zukünftig nicht nur länger leben als Generationen vor ihnen. Sie könnten die zusätzlichen Lebensjahre durchaus in Gesundheit verbringen – entgegen aller Vorurteile vom Alter in Krankheit und Siechtum.

Tatsache ist, dass der Anteil der Alten an der Bevölkerung weiter steigen wird. Das Statistische Bundesamt hat berechnet, das sich die Zahl der Über-60-Jährigen bald verdoppelt haben wird, von rund 12 Millionen in den 1970er-Jahren auf 24 Millionen. Neben der kontinuierlich steigenden Lebenserwartung liegt das vor allem an den Babyboomern, die in den geburtenstarken Jahren der 1950er- und 1960er-Jahre geboren wurden und bald zur Gruppe der Rentner zählen werden.

Weil die Zahl der Alten so stark wächst, besteht wenig Zweifel daran, dass auch die Zahl der Kranken und Pflegebedürftigen steigen wird. Streit gibt es allerdings um die Frage, ob die Wahrscheinlichkeit zum Pflegefall zu werden, für jeden Einzelnen nicht trotzdem immer kleiner wird. Ob also die so genannte „Pflegequote“ sinkt. Davon hängt ab, wie groß die Gruppe der zu pflegenden Alten tatsächlich sein wird.


Die amtliche Pflegestatistik macht sich die Sache leicht: Sie geht einfach davon aus, das die Pflegequoten gleich bleiben. Entsprechend stark schwillt das Heer der zu Pflegenden in den deutschen Prognosen an: von 2,4 Millionen Menschen im Jahr 2010 auf gut das Doppelte bis 2050.

Das könne man durchaus kritisch hinterfragen, sagt Cornelia Lange vom Robert-Koch-Institut in Berlin. Zwar steige im Alter die Wahrscheinlichkeit, krank zu werden, einen Schlaganfall zu erleiden, an Krebs oder psychisch zu erkranken. „Doch Prognosen können nur Trends aus der Vergangenheit fortsetzen, nicht sicher in die Zukunft schauen.“ Inzwischen gibt es einige Studien, die nahe legen, dass wir künftig immer länger gesund bleiben – auch im Alter. Andere Erhebungen behaupten das Gegenteil.

Diese wissenschaftliche Uneinigkeit hat verschiedene Gründe. „Eine Ursache ist, dass Gesundheit ein schwer fassbarer Begriff ist“, sagt Julia Katharina Wolff vom Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA). So seien in manchen Studien die diagnostizierten Erkrankungen der Maßstab für Gesundheit im Alter, in anderen Erhebungen dienten die körperlichen Einschränkungen im Alter als Messlatte. Das Verhältnis von Krankheit und Gesundheit im Alter sei zudem ein relativ junges Forschungsfeld, sagt Wolff.

Länger gesund: Was der Deutsche Alterssurvey über unsere Gesellschaft verrät
Im Interview: Julia Katharina Wolff, DZA




 

Das DZA gibt im Auftrag des Bundesfamilienministeriums den Deutschen Alterssurvey heraus, Daten, die auf einer bundesweit repräsentativen Befragung von Über-40-Jährigen beruhen. Die Befragten geben Auskunft zu ihrer Lebenssituation, zu Beruf, Ruhestand, Aktivitäten, zur wirtschaftlichen Lage und Wohnsituation, zu Familie, sozialen Kontakten, Gesundheit, Wohlbefinden und Lebenszielen.

Der Alterssurvey erschien erstmals 1996, danach 2002, 2008 und 2011. Aktuell findet die fünfte Befragungswelle statt. Vergleicht man die Daten aus verschiedenen Jahren, erscheinen die Alten von heute fitter als früher. Ein Beispiel: 2002 gaben 47 Prozent der 70- bis 85-Jährigen an, eine Einkaufstasche problemlos tragen zu können, 2008 lag dieser Wert bereits bei 57 Prozent. Auch schätzen sich immer mehr Alte selbst als gesund ein, Treppensteigen oder sich Bücken empfinden immer weniger von ihnen als Problem.

Den Alten geht es besser
Quelle: Deutsche Alterssurveys 2002 und 2008

Einkaufstaschen tragen sich beugen, knien und bücken anstrengende Tätigkeiten eigene Gesundheitsbewertung Mehrfacherkrankungen körperliche Fitness

Die positive Entwicklung lässt sich gut begründen. Wie gesund und fit Menschen im Alter sind, hängt von vielen Faktoren ab. „Dazu zählen Ernährung, Sport und medizinischer Fortschritt. Das alles verändert unsere Lebensbedingungen enorm“, sagt Rainer Unger, Gesundheitsökonom an der Universität Bremen. Schon jetzt unterschieden sich die Lebensumstände der heutigen Alten stark von denen ihrer Elterngeneration.

„Mittwochs bin ich beim Tischtennis, am Donnerstag geh ich wandern. Das brauch ich einfach“, sagt die 90-jährige Hildegard Conrad. Sie wurde 1924 in Berlin geboren und hat ihr ganzes Leben in der Stadt verbracht: die Kindheit in den “goldenen Zwanzigern”, die Jugend im Zweiten Weltkrieg, ihre Familienphase mit zwei Söhnen und der Arbeit bei der Bezirksverwaltung in einer geteilten Stadt. Den Mauerfall erlebte sie als Rentnerin. Sie ist viel gereist, nach Indien, China, Afrika. Heute hält sich Hildegard Conrad mit Sport fit, spielt jede Woche drei Stunden lang Tischtennis. Die Hände in den Schoß legen, das will sie nicht.

„Wenn wir uns mit unseren Großmüttern vergleichen, liegen dazwischen Welten,“ sagt Gül Oswatitsch. Für sie sind E-Mail und Internet selbstverständlich. Seit mehr als einem Jahr führt die 60-Jährige den Blog „Berlin ab 50“. Beinahe täglich erscheint dort ein neuer Eintrag. Und in Blogging-Kursen begeistert die Dramaturgin ihre Altersgenossen für das Schreiben eines digitalen Tagebuchs. Ihr ist es wichtig, das Leben aktiv zu gestalten und auch im Alter immer wieder etwas Neues zu beginnen.

 

Dass selbst eine schwere Krankheit im Alter nicht das Ende bedeuten muss, beweist Jürgen Enkemann. Der 75-Jährige erlitt vor acht Jahren einen Herzinfarkt, heute gestaltet der emeritierte Professor für Literatur das Nachbarschaftsleben in Berlin-Kreuzberg mit, organisiert jedes Jahr ein Straßenfest für den Kiez und bringt die Stadtteilzeitung „Kreuzberger Horn“ heraus. Enkemann fühlt sich für nichts zu alt.

 
 

Wir werden älter. Und wir bleiben vermutlich länger gesund. Hinter dieser Erkenntnis steckt ein neuer Reichtum an Zeit, auf den viele noch nicht gefasst sein dürften. Ebenso wenig wie auf die Frage, die er mit sich bringt: Was wollen wir in diesen zusätzlichen Jahren tun?

Seitdem Sie auf dieser Homepage sind, hat sich Ihre Lebenserwartung statistisch betrachtet um 0 Sekunden erhöht.

Rackern trotz Rente

Da gibt es diese Geschichte, die wir immer wieder hören: Wir Deutschen wollen gerne früh in Rente gehen. Wer länger arbeitet, der könne nicht anders, müsse schuften, um über die Runden zu kommen. Es ist die Geschichte eines neuen Rentnerproletariats, verursacht durch den demografischen Wandel. Doch es gibt da noch eine ganz andere Geschichte, die viel seltener erzählt wird. Die Geschichte einer neuen Generation, die auch über das 65. Lebensjahr hinaus noch arbeiten kann -- und arbeiten will

In Zeiten, in denen uns die dramatischen Folgen des demografischen Wandels für die Arbeitswelt beinahe täglich diagnostiziert werden, in denen die schnelle Integration der jungen Generation in den Arbeitsmarkt immer wieder als Allheilmittel für den drohenden Fachkräftemangel beschworen wird, ist eine Entwicklung bislang weitgehend unbemerkt geblieben: Im letzten Jahrzehnt war es die Gruppe der Über-65-Jährigen, die am schnellsten auf dem Arbeitsmarkt wuchs. Seit 2001 hat sich die Zahl der arbeitenden Alten fast verdoppelt: Von 382.000 auf 758.000 Personen. Eine erstaunliche Dynamik, die sich in keiner anderen Altersgruppe finden lässt.

Zwar sind die 758.000 nur ein kleiner Teil der insgesamt 16,5 Millionen der Über-65-Jährigen in Deutschland und eine noch kleinere Gruppe, wenn man sie mit den etwa 40 Millionen Beschäftigten im Alter zwischen 15 und 64 Jahren vergleicht. Interessant ist aber, dass der Trend zum Arbeiten im Rentenalter stark zunimmt. Woran liegt das?

Die Spurensuche führt in ein Gewerbegebiet in Berlin-Reinickendorf. Dunkle Ölflecken überziehen den ausgefahrenen Asphalt der Straße. Es riecht nach Abgasen und geschmolzenem Gummi. „Batscherer Recycling“ steht neben der Eingangstür eines schlichten Funktionsbaus. Joachim Lange ist 76 Jahre alt und leitet das Recycling-Unternehmen. „Altpapier-König von Berlin“ betitelte ihn die Lokalzeitung.

Lange hat den kleinen Familienbetrieb der 1950er-Jahre in ein erfolgreiches mittelständisches Unternehmen verwandelt. Heute beschäftigt er mehr als 300 Mitarbeiter. Einfach war das Geschäft mit dem Recycling nie. Doch mit viel Geschick hat Lange seine Firma bislang durch jede Krise geführt: Die Blockade von Westberlin, den Bau der Mauer, zuletzt die Finanzkrise. Lange hat viel erlebt, viel zu erzählen. „Ich arbeite, weil es mir Spaß macht, dass ich noch etwas gestalten kann und darf“, sagt er. „Es ist schön. Warum sollte ich aufhören?“

Einer, der sich schon länger mit der Geschichte der arbeitenden Rentner beschäftigt, ist Professor Jürgen Deller. Der Wirtschaftspsychologe der Leuphana Universität Lüneburg untersucht, was Menschen wie Joachim Lange auch im hohen Alter noch auf dem Arbeitsmarkt hält.

„Die Bedeutung der Arbeit für die Über-65-Jährigen liegt vor allem darin, dass sie ihre Lebensqualität steigern möchten.“

Jürgen Deller, Wirtschaftspsychologe Leuphana Universität Lüneburg

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Joachim Lange ist für Deller ein typischer Fall. Denn eine Befragung zur Arbeit im Alter, die er gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden durchgeführt hat, ergab: Wie bei Lange steht bei den meisten Älteren der Spaß im Vordergrund und die Sehnsucht nach dem Gefühl, von der Gesellschaft noch gebraucht zu werden.

Warum im Alter noch arbeiten?
Befragung von arbeitenden Über-65-Jährigen, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2013)

95 % gaben „Spaß an der Arbeit“ als Hauptmotiv für Weiterarbeit an
90 % wollen im Job vor allem soziale Kontakte knüpfen
90 % möchten durch die Herausforderung bei der Arbeit geistig fit bleiben
77 % sehnen sich nach dem Gefühl, von der Gesellschaft noch gebraucht zu werden
73 % geht es ums zusätzliche Geldverdienen

Dass auch finanzielle Gesichtspunkte beim Arbeiten im Alter eine Rolle spielen, bestreitet Deller nicht. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin schätzt, dass etwa ein Drittel aller erwerbstätigen Rentner von der viel zitierten Altersarmut betroffen seien. Doch das ist nicht der Grund für den eigentlichen Anstieg der Erwerbstätigen unter den Rentnern, da sind sich Deller und die Experten vom DIW einig.

Für Deller liegt der Schlüssel in der grundlegenden Veränderung der Arbeit. Sie sei anspruchsvoller geworden, fordernder und aufregender. „Heute können sich Menschen auch persönlich einbringen, können Ergebnisse auch stärker selbst beeinflussen“, erklärt der Wirtschaftspsychologe. Ganz anders als früher am Fließband oder unter Tage. Selbstverwirklichung und Arbeitsfreude seien Ansporn genug, um auch im Rentenalter weiterzumachen.

Allerdings will die neue Rentner-Generation sich ihre Arbeitszeiten flexibel einteilen können. Arbeit soll eine Bereicherung sein, Spaß machen und nicht als Belastung empfunden werden. Ob selbstständig oder angestellt: Mehr als zwei Drittel der Über-65-Jährigen arbeitet heute in Teilzeit. Auch Joachim Lange ist längst nicht mehr so oft in seiner Firma wie früher. Meist bleibt er nur von 9 Uhr bis 16 Uhr im Büro. Einen schönen Sommertag verbringt er lieber in der Natur, als hinter seinem Schreibtisch.

Lieber in Teilzeit: So arbeiten die Alten
Quelle: Berechnungen des DIW Berlin, Datenbasis Eurostat (2011)



Arbeitnehmer (Vollzeit oder Teilzeit / geringfügig beschäftigt), Selbstständige (Vollzeit oder Teilzeit / geringfügig beschäftigt) und mithelfende Familienangehörige

Der Wunsch nach flexibler Arbeit im Alter: Er bedeutet auch, dass sich Unternehmen umstellen müssen, wenn sie ihre Mitarbeiter über das Rentenalter hinaus beschäftigen wollen. Als einer der ersten hat das der Stuttgarter Technologieriese Bosch begriffen. Bereits im Jahr 1999 gründete Bosch mit der Bosch Management Support GmbH (BMS) eine Tochtergesellschaft, in der ausschließlich frühere Bosch-Mitarbeiter beschäftigt sind – und das werden immer mehr. Während beim Start nur 30 Rentner anpackten, sind es heute 1.600 so genannte Senior-Experten, vom Meister bis zum Manager, die ihrem Unternehmen auch nach dem Renteneintritt bei Engpässen oder mit Beratungsleistungen weiterhelfen. Und ihr Einsatz ist gefragt: Im vergangenen Jahr war jeder BMS-Rentner im Schnitt an 31 Tagen im Einsatz, insgesamt erhielten sie gut tausend Beratungsaufträge.

Ein Erfolg, der Schule macht: Mittlerweile jetten auch bei der Daimler AG Rentner als sogenannte „Space-Cowboys“ zu Spezialeinsätzen rund um den Globus. Und auch die Otto Gruppe erlaubt ihren Rentnern die zeitlich befristete Rückkehr an den Arbeitsplatz. Als Teil der Otto Group Senior Expert Consultancy GmbH können sie an bis zu 50 Arbeitstagen in Projekten eingesetzt werden.

Professor Jürgen Deller ist davon überzeugt, dass sich der Trend zum Arbeiten im Alter in Zukunft noch verstärken wird. Denn immer mehr gut ausgebildete Fachkräfte werden in absehbarer Zeit das Rentenalter erreichen. Und auch die steigende Lebenserwartung spricht dafür. 1960 ging der durchschnittliche Rentner in Deutschland mit 65 Jahren in Rente – im Schnitt 13 Jahre vor Ablauf seiner Lebenszeit. 2010 betrug die durchschnittliche Rentenbezugsdauer bereits 20 Jahre. Ein Plus von sieben Jahren.

Und die Lebenserwartung steigt weiter kontinuierlich an. Statistisch gesehen an jedem Tag um sechs Stunden. Dieses längere Leben will mit Inhalt gefüllt werden. Mit Familie, Urlaub, Ehrenamt. Und auch mit Arbeit.

Die neuen Gastarbeiter

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Zurzeit sorgen Unruhen und Kriege, aber auch die Finanz- und Wirtschaftskrise in Südeuropa für eine neue Welle der Zuwanderung nach Deutschland. Mit den „Gastarbeitern“ der 1960er-Jahre haben die Einwanderer von heute allerdings wenig gemein. Sie sind anspruchsvoller, flexibler, höher gebildet. Das stellt unsere Gesellschaft vor neue Herausforderungen

Die Entwicklung beginnt mit dem deutsch-italienischen Anwerbeabkommen von 1955: Die ersten “Gastarbeiter” kommen aus Italien nach Deutschland, später folgen Spanier, Griechen, Türken. Sie bleiben und machen Deutschland zum Einwanderungsland. Das Ende des Kalten Krieges löst die nächste Einwanderungswelle aus. Aus der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa strömen in den 1990er-Jahren die so genannten “Spätaussiedler” nach Deutschland. Und heute, fast 60 Jahre nach dem ersten Anwerbeabkommen, sind es wieder junge Italiener, Griechen und Spanier, die nach Deutschland kommen, um beruflich Fuß zu fassen.

Deutschland, deine Einwanderer

Quelle: Bundesamt für Statistik, Zahlen seit 1962

Das Bundesamt für Statistik erstellt Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung. Dafür benutzen sie drei Variablen: Geburten, Todesfälle und das Wanderungssaldo. Das ist die Zahl, die sich aus Zuwanderung minus Abwanderung ergibt. Dabei gehen die Statistiker von verschiedenen Szenarien aus: Sie rechnen mal mit 400.000, mal konservativer mit 100.000 oder 200.000 Zuwanderern, die jährlich nach Deutschland kommen werden. Wanderungsströme haben allerdings ihre ganz eigene Konjunktur. Die Wirtschaftskrise in Südosteuropa, aber auch Kriege im Orient und in Afrika brachten 2013 so viele Menschen nach Deutschland, wie seit 20 Jahren nicht mehr: 1,2 Millionen. Das Wanderungssaldo betrug 413.000 Personen.

Fast 60 Jahren nach den ersten “Gastarbeitern” zieht es heute wieder junge Menschen aus Südeuropa nach Deutschland. Als EU-Bürger brauchen sie für ihre Einreise kein Visum und für ihre Arbeit kein Anwerbeabkommen mehr. Die Wirtschaftskrise verdrängt sie von Zuhause, der Fachkräftemangel lotst sie nach Deutschland. Als “europäische Binnenmigranten” tauchen sie jetzt in den Statistiken auf. Seit Inkrafttreten der Arbeitnehmerfreizügigkeit 2011 werden auch Zuwanderer aus osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten dazu gezählt.

Die jungen Zuzügler aus Europa sind oft gut ausgebildet, viele waren schon während ihres Studiums im Ausland und verfügen über gute Sprachkenntnisse. Die wirtschaftliche Krise in ihren Heimatländern nutzen sie pragmatisch, um sich im Ausland auszutesten. Als Fachkräfte sind sie hierzulande begehrt, aber auch mobil. Gefällt es ihnen nicht, könnten sie Deutschland auch wieder verlassen.

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Ruud Koopmans, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
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Jochen Oltmer, Migrationsforscher, Universität Osnabrück

Die neuen Zuwanderer könnten damit zu Gastarbeitern im eigentlichen Wortsinn werden.

Deutschland ist eine Drehscheibe: Menschen können hier bleiben oder mit ihrer beruflichen Erfahrung weiterziehen. Mobilität innerhalb von Firmen spielt eine große Rolle. Menschen sammeln Erfahrungen in unterschiedlichen Ländern und pendeln hin und her.

Philip Anderson, Migrationsforscher OTH Regensburg

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Bessert sich die Wirtschafts- und Finanzlage in Süd- und Osteuropa, könnte sich die Drehscheibe der Migration beschleunigen und eine Auswanderungswelle aus Deutschland herbeiführen. Finanzmathematiker Daniel Centili ist 30 Jahre alt und vor einem Jahr von Rom nach Berlin gezogen. Er war neugierig und hatte Lust auf das Abenteuer Ausland. Ob er hier bleiben will?

Das hartnäckige Persil-Ideal

Die Mutter hängt das weiße Bettlaken an der Wäscheleine auf. An ihrer rechten Hand, mit der sie die Wäscheklammer feststeckt, glänzt der Ehering. Während ihre kleine Tochter schon das nächste Laken anreicht, schaut der Vater den beiden lächelnd bei der Hausarbeit zu. Mit diesem Familienideal warb der Hersteller Henkel in den 1950er-Jahren auf Plakaten für sein Waschmittel Persil.

Wie sehr das Ideal der bürgerlichen Kleinfamilie – Vater, Mutter, ein, zwei Kinder – immer noch in den Köpfen der Deutschen verankert ist, lässt sich unter anderem an Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes ablesen. „Traditionelles Familienkonzept“ steht über allen Familienstatistiken bis 1995. Gezählt wurden darin allein die Ehepaare mit Kindern und die Alleinerziehenden. Als alleinerziehend galten übrigens auch diejenigen, die ihr Kind mit Partner aber ohne Trauschein aufzogen.

“Wir lösen uns nur halbherzig von dem Modell der bürgerlichen Kernfamilie.“

Detlev Lück, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

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Erst seit 1996 erfasst das Statistische Bundesamt neben der „klassischen“ Familie und den Alleinerziehenden auch andere Familienformen, etwa unverheiratete Paare mit Kindern und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Auch heute noch verzichtet das Amt in seinen Familienstatistiken aber auf eine Extra-Spalte für Patchwork-Familien, also für Familien, in die Partner ihre Kinder aus einer früheren Beziehung mitbringen. Schon vor fünf Jahren war laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) allerdings jede zehnte Familie in Deutschland eine Patchwork-Familie. Aber auch wenn die Zahl der verheirateten Paar mit Kindern seit Jahren kontinuierlich sinkt, dominiert dieses Familienmodell immer noch: Acht von zehn Familien leben leben das Persil-Ideal — mit Vater, Mutter und den leiblichen Kindern. Das geht ebenfalls aus der DJI-Studie hervor.

Heute gestaltet sich das Leben von Familien allerdings viel komplexer als in den 1950er-Jahren. Damals waren Haus- und Erwerbsarbeit unter Müttern und Vätern klar aufgeteilt. „Eine Renaissance der traditionellen Kleinfamilie wird es nicht geben. Dafür müsste man die Frauen schon aus dem Bildungssystem vertreiben“, da ist sich Rüdiger Peuckert sicher. Der Soziologe der Universität Osnabrück hat mit „Familienformen im sozialen Wandel“ ein wissenschaftliches Standardwerk zum Thema geschrieben.

Wirtschaftlich ging es den Deutschen rund ein Jahrzehnt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs immer besser. Allein in den 1950er-Jahren wuchs das Volkseinkommen pro Kopf auf das Zweieinhalbfache an. Der Sommerurlaub in Italien, das eigene Auto, der erste Fernseher: Mit steigendem Wohlstand wurden andere Dinge wichtig. „Auf den wirtschaftlichen Aufschwung folgte ein Wertewandel”, sagt Detlev Lück. “Die Deutschen mussten sich nicht mehr um ihre Existenz sorgen und stellten höhere Ansprüche an ihr eigenes Leben.“ Auch an ihr Familienleben.

Das bedeutete für Männer und Frauen, sich frei zu entscheiden, wohin der eigene Lebensweg führen soll. „Früher gab es nur einen gesellschaftlich akzeptierten Weg: heiraten, Kinder kriegen, zusammenbleiben bis zum Tod“, sagt Familienforscher Peuckert. Heute seien Ehe und Elternschaft nur „eine Option unter anderen“. Die gesellschaftliche Norm habe sich gewandelt. Wer unglücklich verheiratet ist, lässt sich eher scheiden. Wer seinen Partner nicht heiraten will, lebt einfach so zusammen – mit den eigenen Kindern, den Kindern des Partners oder ohne Kinder.

Anteil der Frauen an den Erwerbstätigen
Eheschließungen und Scheidungen
Geburtenrate

„Was ist eigentlich Familie?“, fragte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung die Deutschen im Jahr 2012. Fast alle Befragten (97 Prozent) zählten ein unverheiratetes Paar mit Kindern dazu, 82 Prozent bezeichneten auch eine allein erziehende Mutter und ihr Kind als Familie. 68 Prozent gaben auch einem Ehepaar ohne Kinder das Etikett „Familie“.

Deutschland, dein Familienbild

Ist das Familie? So viele Deutsche sagten: Ja!

tag_familie Heterosexuelles Ehepaar mit Kindern 100 %
unverheiratetes heterosexuelles Paar mit Kindern 97 %
homesexuelles Paar mit eigenen Kindern 88 %
Mutter, die mit neuem Partner unverheiratet zusammenlebt 85 %
alleinerziehende Mutter 82 %
heterosexuelles Ehepaar ohne Kinder 68 %
uneheliches heterosexuelles Paar ohne Kinder 33 %

Befragung von TNS Infratest im Auftrag des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zwischen August und November 2012; telefonische Interviews mit bundesweit insgesamt 5000 zufällig ausgewählten Personen zwischen 20 und 39 Jahren

Doch sind das schon alle möglichen Antworten auf die Frage? „Familienbeziehungen werden wahrscheinlich zunehmend weniger auf die Blutsverwandten beschränkt sein”, sagt Detlev Lück vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Ob Freunde oder Nachbarn: Im Alltag werde die selbstgewählte Ersatzfamilie immer wichtiger.

Dagmar Kruse hat vier Enkelkinder. Will sie die sehen, muss sie mehrere Stunden mit dem Zug fahren. Um Yunissa zu besuchen genügt die S-Bahn. Seine Mutter Natalie Würbach hat sich eine Oma für ihren Sohn gewünscht und mit Hilfe der Diakonie Berlin Dagmar Kruse gefunden. Seit Juni testen die drei das Zusammenleben als Familie.

Geteilte Arbeit, doppeltes Kinderglück

Einskommavier: Die Zahl ist Gegenstand hitziger Debatten. 1,4 Kinder gebärt eine Frau in Deutschland im Durchschnitt. Zu wenig, um die Wirtschaftskraft zu erhalten, Renten zu zahlen, Alte zu pflegen, so lauten die befürchteten Folgen. Die Geburtenrate müsse steigen. Aber wie kann das gelingen? Die verblüffende Antwort: Mit mehr Gleichberechtigung

Es ist statistisch eindeutig belegt: Gleichberechtigte Frauen bekommen mehr Kinder. Ablesen kann man das am Gender Equality Index der EU, der die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in Bereichen wie Bildung, Arbeit und Gesundheit anzeigt. Vergleicht man den Index mit den Geburtenraten der Länder wird klar: Je mehr Frauen Zugang zu Bildung, gut bezahlten Jobs und medizinischer Versorgung haben, desto mehr Kinder werden pro Frau im jeweiligen Land geboren.

„Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass in hoch entwickelten Ländern, einschließlich Ländern in der EU, eine hohe Geschlechtergleichheit ein zentraler Faktor ist, um hohe Fertilität zu erreichen.“

Hans-Peter Kohler, Professor für Demografie an der University of Pennsylvania in Philadelphia (USA)

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Hans-Peter Kohler hat zusammen mit seinen Kollegen Mikka Myrskylä von der London School of Economics und Francesco Billari von der University of Oxford zu dem Thema geforscht. Das Ergebnis: Zwar gebären Frauen in Entwicklungsländern mehr Kinder als Frauen in Industriestaaten. Aber wenn man Industriestaaten untereinander vergleicht, werden dort die meisten Kinder geboren, wo am meisten Chancengleichheit zwischen Mann und Frau herrscht.

Hand in Hand: Im EU-Vergleich sinken Gleichberechtigung und Geburtenrate zusammen
Quellen: Eurostat, European Institute for Gender Equality (EIGE)

In skandinavischen Ländern sind Frauen besonders gleichberechtigt und bekommen im Durchschnitt zwei Kinder. Am Ende der Liste stehen Länder im Südosten Europas und Deutschland mit weniger als 1,5 Kindern pro Frau. Das heißt: Obwohl auch andere Faktoren eine Rolle spielen, hat Chancengleichheit einen eindeutig positiven Einfluss auf die Zahl der Geburten im Land.

Einskommavier. Das war Katrin Jordan-Korte und Immo Korte zu wenig. Das Berliner Ehepaar hat gerade das dritte Kind bekommen. Die Eltern arbeiten beide in Führungspositionen und versuchen, Arbeit, Haushalt und Familie gleichberechtigt aufzuteilen. Im Interview erzählen sie, wie das gelingt und wo es Konflikte gibt.

Mit ihrer Entschlossenheit, konsequent gleichberechtigt zu leben, sind die Kortes eher eine Ausnahme. Weil Frauen oft weniger verdienen als Männer, fallen viele Paare nach der Geburt ihrer Kinder in die klassische Rollenverteilung zurück. Für Nadine Schön ist die Gleichstellung von Männern und Frauen ein zentrales Thema. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU im Bundestag ist Mitglied im Familienausschuss und beschäftigt sich seit einigen Monaten auch privat mit dem Thema.

Damit Mütter und vor allem auch Väter sich mehr und selbstverständlicher Zeit für ihre neugeborenen Kinder nehmen können, hat die Politik 2007 das Elterngeld eingeführt. Zwar beantragen immer mehr Väter Elterngeld und nehmen nach der Geburt eine Auszeit vom Berufsleben, sie tun das aber immer kürzer.

Die Auszeiten der Väter: Wie viele bleiben wie lange zu Hause?
Quelle: Statistisches Bundesamt

Anteil der zuvor erwerbstätigen Väter, die Elterngeld bezogen (%) Durchschnittliche Bezugsdauer des Elterngeldes der zuvor erwerbstätigen Väter (in Monaten) Anteil aller Väter, die maximal 2 Monate Elterngeld bezogen (%) Anteil aller Väter, die mindestens 12 Monate Elterngeld bekamen (%)
2007 12,1 - 67,2 15,5
2008 17,1 3,6 71,8 8,4
2009 19,7 3,2 74,9 7,4
2010 21,7 3,1 76,2 6,5
2011 22,0 3,1 77,1 6,6
2012 23,0 3,0 78,2 6,1

Eine Gruppe wird von dieser Statistik nicht erfasst: die große Mehrheit der Väter, die gar kein Elterngeld bezieht. Im Jahr 2011 waren das vier von fünf Väter (78 Prozent). Und wie lange bleiben Deutschlands Väter nach der Geburt ihres Kindes im Durchschnitt zu Hause? Teilt man die von Vätern genommenen Elterngeldmonate durch die Zahl aller Väter, dann waren es im Jahr 2011 ganze

0,89 Monate.

Der Landkreisvergleich: Wie lange beziehen Väter Elterngeld?
Quelle: Eigene Berechnung des statistischen Durchschnitts des Elterngeldbezugs aller Väter nach Daten des Statistischen Bundesamtes von 2011

Immo Korte ist nach der Geburt der ersten beiden Kinder mehrere Monate zu Hause geblieben. Jetzt arbeitet er, während seine Frau mit dem dritten Kind für die nächsten Monate zu Hause bleibt. „Gleichberechtigung beginnt da, wo sich Frauen und Männer nicht als Mutter und Vater sehen, sondern als Einheit, als Eltern“, sagt Katrin Jordan-Korte. „Das muss man den Arbeitgebern erstmal vermitteln, dass man ein Elternteil ist und auch mal zu Hause bleiben muss“, fügt ihr Mann hinzu.

Elternschaft kollidiert immer noch und immer wieder mit den Erwartungen der Arbeitswelt, das haben beide festgestellt. Wenn Gleichberechtigung gelingen soll, müssen alle dazulernen. Nicht nur Mütter und Väter, sondern die ganze Gesellschaft.

Das Projekt

Wir haben datenjournalistisch experimentiert. Bei der Recherche nach Datensätzen und ihrer Analyse hatten wir kompetente Unterstützung durch Björn Schwentker, der sich als Journalist auf demografische Fragen spezialisiert hat. Datensätze zu visualisieren, haben wir von Marco Maas gelernt, der zu den datenjournalistischen Pionieren in Deutschland gehört. Marcus Schoft hat unseren Filmen den letzten Schliff verpasst und Programmierer Jan-Henning Niediek hat dafür gesorgt, dass unsere Ideen den Weg ins Netz finden.

Was bleibt am Ende – außer Schlafmangel und einem Multimedia-Dossier? Auf jeden Fall Begeisterung für den Datenjournalismus, für das multimediale, das visuelle Erzählen. Aber auch mehr Freude an gründlicher Recherche und Quellensuche. Und es bleibt die Erkenntnis, dass der demografische Wandel nicht zwangsläufig zur Apokalypse führen wird. Statistisch gesehen werden wir länger leben und anders, vermutlich gesünder alt werden als unsere Eltern und Großeltern.

Beides ist kein Grund zur Panik. Im Gegenteil.

anders & länger ist das Ergebnis eines zehntägigen Seminars der Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung (JONA), das im Sommer 2014 in Berlin stattgefunden hat. Der Praxiskurs wurde mit Unterstützung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge finanziert. Eine inhaltliche Einflussnahme hat zu keiner Zeit stattgefunden. Für die Teilnehmer, sechs Männer und sechs Frauen, war das Projekt ein Baustein ihrer studienbegleitenden Journalistenausbildung. Mehr über die JONA, Konzept und Projekte gibt es unter www.kas.de/jona

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www.kas.de/journalisten-akademie

Konzeption und Leitung: Astrid Csuraji (inhaltlich verantwortlich i.S.d. §10 Abs.3 MDStV)
Training und Beratung: Marco Maas, Björn Schwentker
Gestaltung und Programmierung: Jan-Henning Niediek
Audio- und Videotechnik: Marcus Schoft
Redaktion: Sebastian Kempkens, Lena Niethammer (Debatte); Charlotte Mack, Michael Scheppe (Gesundheit); Lucas Lamberty, Marcus Pfeiffer (Arbeit); Martin Faber, Simon Kremer (Migration); Anna K. Bernzen, Christina Schneider (Familie); Martha Dudzinski, Ella C. Mittelbach (Männer & Frauen)

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Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., Registergericht: Amtsgericht Bonn, Registernummer: VR2539

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